Schreibwerkstatt

Fortschritte, Probleme, Gedanken übers Schreiben

5. Juli 2021

Der Schluss
 

Der Schluss meines zweiten Romans – inzwischen hat er einen chancenreichen Arbeitstitel: Habichtland - war in der ersten Fassung nicht gut genug, das konnte ich bei einer Durchsicht mit etwas mehr Abstand nicht übersehen. Also machte ich mich in den letzten Wochen neu an die Arbeit. Das Ergebnis gefällt mir und zum Glück auch einer sehr kritischen Freundin. Jetzt bin ich gespannt, was mein Lektor dazu sagt, der meine neueste Fassung gerade vorliegen hat.

Während der Arbeit habe ich immer wieder Freunde und Autorenkollegen befragt, wann ihnen ein Schluss gefällt, und überlegt, ob ich ihre Vorlieben teile. Zunächst schien es immer unübersichtlicher zu werden, weil Geschmäcker bekanntlich verschieden sind und weil Romanabschlüsse auf sehr unterschiedliche Weise gut sein können. Aber schließlich hat sich für mich doch etwas herauskristallisiert. Einen Schluss möchte ich so gestalten, dass die Leser auch nach der letzten Seite immer wieder mal an die Figuren denken und sich ausmalen, was später mit ihnen geschehen ist. Es sollte einen echten, befriedigenden Abschluss geben, mit Hinweisen auf den weiteren Fortgang, aber es sollte nicht alles vollständig zu Ende gebracht werden. Denn das entspräche zu wenig dem echten Leben, das ja auch immer weitergeht, und es würde auch jedes weitere Nachdenken über die Figuren abtöten.

Zum Schluss noch einen Schluss, eine Schlussempfehlung: „Irrungen, Wirrungen“, von Theodor Fontane. Ein schlichter Dialog, der mir immer wieder mal, wenn ich an ihn denke, ein Kribbeln über die Kopfhaut ziehen lässt.

 
11. Januar 2021
 
Gute Rückblicke?

Wie schreibt man gute Rückblicke? Wann ist ein Rückblick gut? Darüber mache ich mir im Augenblick Gedanken. Wie oft schon habe ich Autoren verflucht, die plötzlich ihre interessante und spannende Erzählung unterbrechen, damit ich als Leser in den Genuss einer Vorgeschichte komme. Ich will wissen, wie es weitergeht, und muss mich in Geduld üben. Sowieso nicht meine Stärke, wenigstens bei solchen Dingen.

Natürlich habe ich auch schon in „Kronsnest“ und in kürzeren Geschichten den einen oder anderen Rückblick geschrieben. Aber es waren immer nur kurze und knappe Einschübe. Jetzt muss ich mehr liefern, und das kommt so:

Im Herbst bin ich mit einem zweiten Roman fertiggeworden, einer Fortsetzung von „Kronsnest“, die aber zwölf Jahre später spielt, mit denselben Figuren am selben Ort. Auch jetzt schon gibt es in diesem Buch kurze Rückblicke, Hannes erinnert sich und den Leser an Dinge, die damals geschehen sind. Aber diese Passagen reichen nicht. Beim Lesen des zweiten Buchs, das habe ich erst jetzt ganz begriffen, entsteht das Bedürfnis, mehr über die Zeit dazwischen zu erfahren. Ein lückenloser Anschluss des zweiten Buchs kommt für mich nicht infrage, also bleiben nur mehr Rückblicke.

Vor einigen Monaten habe ich einen Roman gelesen, in dem die Rückgriffe hervorragend waren, das weiß ich noch, nur leider kann ich mich nicht erinnern, welcher es war. Da helfen auch keine Kaffeepausen vor meinen Bücherregalen, ich habe es schon probiert. Der Roman bleibt verschwunden, im Regal und im Nebel meiner Erinnerung.

Was also macht einen guten Rückblick aus? Er sollte genauso interessant sein wie die eigentliche Handlung und vielleicht auch besonders relevant für das Erleben der Figuren in der Gegenwart. Man sollte als Leser unbedingt wissen wollen, was damals war …

Wenn jemand ein Buch mit solch schönen Rückblicken kennt, bitte sofort bei mir melden. Ich habe nicht vor den Autor zu imitieren, aber vermutlich kann mir so ein Buch dabei helfen genauer zu verstehen, was einen guten Rückblick ausmacht.